Eine Familienmediation findet nicht statt und die Mediatorin freut sich auch noch darüber…

Ja, auch das kann es geben, da erhält man eine Anfrage für eine Familienmediation und am Ende freut es einen, dass die Mediation doch nicht stattgefunden hat. – Wie das?

Mitternächtlicherweise erhielt ich eine Anfrage per E-Mail, ob ich bereit sei, eine Mediation durchzuführen, bei der es darum gehe, dass ein Streit aufgelöst und Familienmitglieder wieder zu einem konstruktiven und entspannten Umgang miteinander zurückfinden. Natürlich sagte ich zu, denn einerseits bin ich dafür ausgebildet, Konfliktparteien dabei zu unterstützen, eine gute Lösung zu finden, und andererseits war die Anfrage sehr sympathisch formuliert.

Ich erkundigte mich, wie die anderen Beteiligten in die Idee, den vorhandenen Streit mittels Mediation zu lösen, einbezogen werden könnten. Die anfragende Person bat mich, ihnen allen Terminvorschläge zu senden. Hierbei kopierte sie gleich alle betroffenen Familienmitglieder in die eigene E-Mail ein und brachte gleichzeitig ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass ihre Verwandten zumindest einem ersten Treffen zustimmen würden.

Wie immer, wenn mehrere Personen einen gemeinsamen Termin suchen, gestaltete sich das Ganze ein bisschen zeitaufwendiger, als ursprünglich gedacht.

… und genau während der Terminfindungszeit stellte sich heraus, dass meine Unterstützung für die Lösung des Streits nun doch nicht benötigt wurde. Die Initiative des Einen hatte zur Folge, dass sich alle zusammensetzten und sich ausgesprochen haben.

Die Absage der Mediation erfolgte mit folgendem Schlusssatz: «Zum jetzigen Zeitpunkt, schaut es so aus, als dass wir es aus eigener Kraft schaffen.»

Die Familie scheint ihren Weg aus dem Konflikt gefunden zu haben. Vermutlich auf ganz einfache Weise: Einer wollte die Situation nicht so stehen lassen, wie sie war, und den anderen wurde aufgrund dieser Initiative bewusst, wie wichtig ihnen ihre Angehörigen sind, bzw., wie viel sie verlieren würden, wenn der Streit in der Familie bestehen bleiben würde. Dieser Schubs hat gereicht, dass die Streitparteien wieder in den Kontakt miteinander gekommen sind. – Ob sie den ganzen Weg bis zum Ziel ohne Unterstützung gehen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gewiss, aber ich drücke der Familie von Herzen alle Daumen für das gute Gelingen!

Ich freue mich darüber, dass streitende Familienmitglieder den Mut und die Entschlossenheit aufgebracht haben, den Weg zueinander, das Gespräch und eine Lösung zu suchen.

Gleichzeitig – ich gebe es zu – bin ich ein bisschen enttäuscht über die nicht zustande gekommene Familienmediation. Und dies nicht in erster Linie, weil ein Mediationsauftrag zurückgezogen wurde. Nein, was ich viel mehr bedaure, ist, dass ich nun diese imponierenden Persönlichkeiten nicht näher habe kennenlernen dürfen!


Nicht alle Familienstreitigkeiten lösen sich so einfach auf, nicht alle streitenden Verwandten finden ohne Unterstützung von aussen einen guten Weg aus der Familienkrise. Wie mein Angebot zur Familienmediation aussieht, können Sie unter «Familienstreit – Hilfe holen, bevor es zu spät ist» nachlesen.

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