Skurrile Fälle und bizarre Konfliktsituationen vor Zürcher Gerichten

Mit einigem Amüsement habe ich den Artikel «Zum Beispiel Mobbing gegen Kater: Wenn Tiere vor Gericht stehen» in der NZZ vom 18. Oktober 2017 gelesen (hier geht’s weiter zum Online-Artikel). Im Bericht geht es z.B. um einen krähenden Hahn, der das Baurekursgericht beschäftigte und dem vom selbigen eine längere Nachtruhe verordnet wurde. Aber auch Katzen beschäftigen scheinbar regelmässig die Obrigkeit, sei es, weil sie mobben oder zu dick sind, was eine tierliebende Nachbarin auf den Plan und in der Folge den Kontrolleur des Veterinäramts auf den Platz rief.
… und dann geht es auch um von 22 bis 7 Uhr mit einem «Rayonverbot belegte Kuhglocken». – Lesen Sie den Artikel über skurrile Konfliktsituationen selber, es lohnt sich!

Skurril und unterhaltsam sind solche Berichte zu lesen. Aber sie stimmen mich trotzdem nachdenklich. Ich frage mich, weshalb Rücksichtnahme, gesunder Menschenverstand und Respekt hüben bzw. Grosszügigkeit, Humor und Toleranz drüben ein so rares Gut sind. Dabei wäre es doch so einfach: Miteinander sprechen, höflich und verständlich erklären, weshalb man mit einer Situation nicht einverstanden ist und ebenso höflich und aufmerksam zuhören sowie die Bedenken des Vis-à-vis ernst nehmen.

Marshall B. Rosenberg hat mit dem Handlungskonzept der «Gewaltfreien Kommunikation (GFK)» ein wertvolles Werkzeug entwickelt, das den zwischenmenschlichen Umgang vereinfacht. Gewaltfreie Kommunikation ist übrigens gar nicht so schwierig, probieren Sie es ruhig einmal aus!

Vier Schritte für eine bessere Kommunikation in einer Konfliktsituation

Trennen Sie Ihre Beobachtung von Ihrer Bewertung

  • Beschreiben Sie den Sachverhalt, was wirklich passiert ist, anstatt sich auf eine Interpretation dessen, was passiert ist, zu beziehen (der Sachverhalt entspricht dem, was eine Videokamera aufgezeichnet hätte).
  • Fragen Sie sich: «Was habe ich gesehen oder gehört?» «Was genau ist geschehen?»
  • Beispiel: «Du liebst mich nicht mehr!» (Interpretation) versus «Du küsst mich nicht mehr, wenn du nach Hause kommst.» (Sachverhalt).
  • Wenn Sie feststellen, dass Sie emotional reagieren, versuchen Sie bewusst, innerlich einen Schritt zurückzutreten und etwas Abstand zur belastenden Situation zu gewinnen.

Finden Sie Ihre Gefühle heraus

  • Fragen Sie sich: «Was fühle ich gerade?»
  • Wenn Sie sich über Ihre Gefühle klar geworden sind, verwenden Sie eine Sprache, mit der Sie nur die Gefühle ausdrücken, für die Sie verantwortlich sind, und vermeiden Sie Worte, die Sie zum Opfer machen. Sie können froh sein, ärgerlich, ängstlich, einsam oder traurig. Vermeiden Sie hingegen Worte wie: verlassen, manipuliert, missverstanden, zurückgewiesen, nicht unterstützt.
  • Eine Wörterliste finden Sie z.B. bei www.gewaltfrei-uebungen.de.

Finden Sie heraus, was Sie jetzt brauchen

  • Fragen Sie sich: «Was brauche ich in dieser Situation?» «Welche Bedürfnisse sind gerade unerfüllt?»
  • Sie hätten keine so starken Gefühle, wenn Ihre Bedürfnisse erfüllt wären.
  • Finden Sie Ihre wirklich wichtigen Anliegen heraus.

Formulieren Sie konkrete Bitten, keine «frommen Wünsche» und keine Forderungen

  • Drücken Sie sich konkret, positiv und handlungsorientiert aus, wenn Sie um etwas bitten.
  • Bitten Sie um das, was Sie möchten, nicht um das, was Sie nicht möchten.
  • Wenn andere eine Forderung von uns hören, sehen sie meistens nur zwei Möglichkeiten: Sich zu unterwerfen oder zu rebellieren.

Woher wissen Sie, ob es eine Forderung oder eine Bitte ist? Beobachten Sie, wie der Sprecher regiert, wenn der Bitte nicht entsprochen wird. Es war eine Forderung, wenn der Sprecher dann kritisiert, verurteilt oder beschuldigt. Es war eine Bitte, wenn der Sprecher dann Empathie zeigt für die Bedürfnisse der anderen Person.

… und wenn Sie den Konflikt nicht selber lösen können, gibt es als Alternative zum Gang vor Gericht die Möglichkeit, eine Mediatorin oder einen Mediator zu engagieren. Als professionelle Konfliktlöser verfügen diese über grosses Know-how, das sie Ihnen in Ihrer herausfordernden Situation gerne zur Verfügung stellen!

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